Montag, 21. August 2017

Jungpferdestart - Viel mehr als nur Einreiten


Bei jungen Pferden wird einem das bewusst, was auch bei älteren Pferden eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Es geht nicht um Pferdetraining.
Spielerisches Lernen klingt wirklich toll aber wie kann ich meinem jungen Pferd diese Unbefangenheit des Lernens vermitteln? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Indem wir selbst an unserem eigenen Horsemanship feilen und das mit erwachsenen, bzw. erfahrenen Pferden. Also zunächst von Pferden lernen, bevor wir das Pferd lehren.
Junge Pferde lernen um ein Vielfaches schneller; natürlich auch das, was mir vielleicht nicht möchten, dass sie es lernen. Deshalb ist so wichtig, dass wir die nötige Erfahrung und das Wissen mitbringen, bevor wir versuchen, junge und unerfahrene Pferde auszubilden. 

Eines meiner persönlichen Highlights bei jungen Pferden sind die vielen ersten Male und da ist es umso wichtiger, dass es eine Win-Win Situation für unsere Pferde und für uns gibt. Auch hier gilt dies auch für erwachsene Pferde und ich hoffe und wünsche mir, dass Ihr als Parelli Studentinnen und Studenten genauso süchtig nach den ersten Male mit Euren Pferden seit, wie ich es bin.
Bei jungen Pferden sind diese neuen Erfahrungen für das junge Pferd viel offensichtlicher wie z.B. das erste Mal in den Hänger gehen, das erste Mal ein Pad tragen, das erste Seitwärts, usw. Mit mehr Erfahrung seitens der Pferde und uns werden wir differenzierter: Das erste Mal in den Hänger gehen mit Phase 1 und entspannt im Hänger verbleiben können.
Das erste Mal ein Pad tragen und dabei von rechts satteln. Das Pferd kann stillstehen und entspannt sich beim Gurten.
Das erste Seitwärts auf Abstand mit Takt und Entspannung.
Differenzierter heisst, nicht auf die Aufgabe als solche zu fokussieren, sondern auf die Einstellung unserer Pferde zu der Aufgabe. 
Durch diese Differenzierung können ganz tolle erste Male auch mit unseren erwachsenen, erfahrenen Situationen entstehen.

Im Level 1 und 2 liegt der Fokus mehr auf die Aufgaben, während es ab Level 3 mehr um die Einstellung zu der Aufgabe geht und das nicht nur bei unseren Pferden. Das setzt voraus, dass wir einen Plan haben, das Wissen und die Fertigkeiten haben, diesen Plan umzusetzen und in der Lage sind, die gewünschte Einstellung zu erkennen. Junge Pferde auszubilden ist jenseits von Level 4. Das bedeutet, dass es um die Aufgabe geht UND um die Einstellung der Aufgabe.
Da ein junges Pferd unerfahren ist, ist es um so wichtiger, dass wir die notwendige Erfahrung mitbringen. Auch für den Fall, wenn es vielleicht mal nicht entsprechend Plan verläuft, damit wir eine Alternative anbieten können, ohne unseren Plan zu verlieren und doch wieder mit einer Win-Win Situation enden und unsere Pferde die Session nicht als Training wahrnehmen. 

Es geht um Prinzipien und Konzepte, die hoffentlich nicht erst in dem Moment zum Tragen kommen, wenn wir das erste Mal aufsteigen und das Pferd "einreiten". Spätestens jetzt wird klar, dass es bei Parelli JUNGPFERDESTART und nicht Einreiten heißt. Prinzipien und Konzepte vermitteln wir bereits am Boden und nehmen sie später in den Sattel. Eben viel mehr als nur Einreiten!

Dazu fehlt mir speziell ein Pat Parelli Zitat ein oder besser gesagt zwei Sequenzen aus einem Zitat: "...Prior and Proper Preparation Prevents P-Poor Performance..." und "...Practise does not make Perfect, only Perfect Practise make Perfect...". Wer das ganze Zitat lesen möchte, sollte sich nach den 45 Parelli P's erkundigen. Absolut empfehlenswert.
Diese beiden Stellen sind vor allem mit jungen, bzw. unerfahrenen Pferden unglaublich wichtig: "Eine fundierte Vorbereitung ist alles und sorgt dafür, dass die Ausführung nicht armselig ist" und "Nicht das Üben alleine ist für Perfektion verantwortlich, sondern das korrekte Üben".

Ich hatte mit meinem eigenen jungen Pferd Ludo das unglaubliche Glück, dass er als 1,5 jähriger Absetzer zu uns kam und ich so mir und ihm die Zeit geben konnte, Konzepte und Prinzipien am Boden zu etablieren um ihn so als Reitpferd vorbereiten zu können. Vor einer Woche war es soweit und es sollte sich zeigen, wie fundiert diese Prinzipien und Konzepte bei Ludo etabliert sind, denn Sam Caporn (Lizenzierter 4-Sterne Parelli Instruktor und Horse Development Specialist aus Australien) unterstützte mich beim ersten Ritt und übernahm das erste Aufsteigen und den ersten und zweiten Ritt.
Das erste Aufsteigen für den 3-jährigen Ludo ohne Sattel war traumhaft und auch der erste Ritt und Folgeritte waren harmonisch und für ihn und für ReiterIn keine unangenehme Überraschung.
Und so war der Start als Reitpferd für Ludo einfach eine Fortsetzung der Konzepte und Prinzipien am Boden die nun im Sattel weitergeführt wurden und werden.

Mein ganz bescheidener Wunsch für junge Pferde wäre, dass alle Pferde einen solchen unspektakulären ersten Ritt bekämen und so kann ich allen Jungpferdebesitzerinnen und Jungpferdebesitzern nur empfehlen, sich Hilfe von einer Person zu holen, die dieses erforderliche Wissen, die Erfahrung und Fertigkeiten mitbringt.
Denn ein Jungpferdestart ist nicht irgendetwas, er ist alles!

Freitag, 18. August 2017

Natural Horsemanship und Floskeln. Heute: HARMONIE

Wenn etwas besonders viel Anklang findet, ist es leicht, dass Floskeln entstehen. Fast jede(r) macht ja  heutzutage "Natural Horsemanship". Das heißt aber nicht, dass Natural Horsemanship auf das Equipment reduziert werden kann. Vielen ist nicht bewußt, dass es ein seriöses Handwerk ist und wie bei jedem Handwerk gibt es Auszubildende, Gesellen und Meister. Horsemanship ist wie die Herstellung eines guten Käses: Es braucht Wissen, das Bedürfnis an sich selbst zu arbeiten, die Bereitschaft immer mehr Wissen aufzunehmen und nicht zuletzt die Fertigkeiten, die ich durch Üben verfeinert werden kann, damit daraus Erfahrung entstehen.
Spätestens jetzt wird einem klar, dass die Werkzeuge wichtig sind, aber nur einen geringen Teil für den Erfolg mit unseren Pferden und in unserer Horsemanship Reise ausmachen.

Wer ein bisschen weiter denkt, merkt schon, dass dies ein lebenslanges Studium ist, eine Kunstform. Eine, in der Abkürzungen oder "Schnelllösungen" keine Platz haben.

Am 3-Tage Kurs mit Sam Caporn, lizenzierter 4-Sterne Parelli Instruktor und Horse Development Specialist aus Australien beim Horsemanshipcenter nördlich von Berlin sollten wir Teilnehmerinnen erleben, was Harmonie mit unseren Pferden bedeutet. Egal auf welchem Niveau wir uns befinden oder anders gesagt, in welchem Stadium unserer handwerklichen Ausbildung wir gerade sind.

Wie so oft bei seriösem Horsemanship war die Technik der kleinste Teil. Sicher etwas, an dem jeder Horseman immer und immer wieder feilen kann und sollte, aber nicht der wichtigste Teil unseres lebenslangen Studiums. So ging es z.B. darum mit unseren Equipment effizienter und vor allem klarer umzugehen. Das klingt sehr einfach, zumal wir am Boden gerade mal von drei Bestandteilen sprechen: Knotenhalfter, Seil und Stick mit Seilchen. Aber etwas was simpel scheint, heißt nicht, dass es einfach umzusetzen ist.
Sam erklärte uns dazu den Begriff "positional truth". Ein Konzept, welches er mit Neil Pye (ebenfalls aus Australien) vor kurzem besprochen hatte. Der Begriff erklärt sich fast von selbst und gemeint ist das Bewußtsein, wo wir z.B. unser Equipment benutzen. Die Position hat eine Auswirkung auf unser Pferd -egal ob erwünscht oder nicht-. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns dessen bewußt sind. Denn sonst wird natürlich aus einer "positional truth" eine "positional lie".
Immer wieder die Ermahnung an sich selbst zunächst natürliche Hilfen wie Körperenergie und Körpersprache zu nutzen, bevor wir künstliche Hilfen (Seil, Stick) nutzen. Denn die künstlichen Hilfen sind letztendlich nur eine Erweiterung unserer natürlichen Hilfen, nicht aber vorrangig.

Alleine dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass es bei Parelli Natural Horsemanship vor allem darum geht, uns selbst zu schulen und nicht unsere Pferde. Sind wir bereit, an uns zu arbeiten? Dann sind wir auch bereit für Parelli Natural Horsemanship.

In den Savvys On Line, Liberty und Freestyle unterstützte Sam uns mit Konzepten. Konzepte sind levelübergreifend und so paßte jedes Konzept für jedes Pferd/ Mensch Paar, denn Konzepte sind erweiterbar und können auf ein neues Niveau gebracht werden. Wie auch eine Pferd/ Mensch Beziehung erweitert werden kann und das partnerschaftliche Niveau mit Wissen und Erfahrung angehoben wird. Je weniger Missverständnisse es bei der Beziehung mit unseren Pferden gibt, desto harmonischer ist unsere gegenseitige Beziehung.
So war es auch nicht verwunderlich, dass es darum ging, dass wir an uns, an unserer "positional truth" arbeiten.

Ein weiteres Konzept war unserer Körperenergie geschuldet. Wie bewußt gehen wir damit um. Sam definierte dies mit AKTIV (Active)- NEUTRAL (Neutral) - BEENDEN (Quit). Was davon möchten wir gerade vermitteln und sind wir uns bewußt, was wir davon vermitteln. Spätestens hier war den Teilnehmerinnen bewußt, dass das eigene Kommunikationsrepertoire reduzierter oder/ und weniger abgegrenzt oder/ und weniger einem Plan folgt.

Am Ende des Kurses war klar, dass durch die Einhaltung der Konzepte die Harmonie ein Ergebnis der klaren Konzepte ist. Es wurde also u.a. Harmonie erreicht, ohne dass an Harmonie "gearbeitet" wurde. Oder anders gesagt, für Harmonie mit unseren Pferden sind wir selbst verantwortlich.

Seriöses Horsemanship ist eben viel mehr als nur ein Knotenhalfter anzuziehen und Stick und Seil zu schwingen und ein seriöser Horsemanship Instruktor unterrichtet viel mehr als die sieben Spiele, ist selbst eine lebenslange Studentin/ ein lebenslanger Student, die ihr/ der sein Wissen und Handwerk ständig durch Erfahrungen erweitert und weitergibt.

Sandra Gockenbach und Klaudia Duif freuen uns darauf, diese erlernten Konzepte weitergeben zu können und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Sam Caporn.



Donnerstag, 4. Mai 2017

50 shades of grey - Esel und Parelli

Die Grautiere beim Parelli Level 1 Einsteigerkurs bei den Eselfreunden e.V. in Paaren am 22./ 23.04. haben mir es echt angetan und so habe ich mich direkt in diese wunderbaren Tiere verliebt. Dank Christine Möller war der Kurs ausgebucht und die KursteilnehmerInnen haben sich auch von dem Wetter, welches mehr als durchwachsen war, nicht beeindrucken lassen.
Es war aus Eselsicht ein bunter Kurs von Zwerg- bis Großesel und wir hatten sogar ein richtigen Exoten dabei: Ein Islandpferd.
Esel sind eine große Herausforderung, denn sie vermitteln dem Ende vom Seil sehr schnell und deutlich, ob sie von uns beeindruckt sind oder nicht. Wenn wir sie dann beeindrucken signalisieren sie das viel dezenter und nicht euphorisch, wie es vielleicht ein Pferd tun würde. Deshalb ist es so wichtig, die Zeichen, eines Esels genau zu beachten, denn sie sind in jeder Hinsicht dezent, außer wenn es um das Ohrenspiel geht.
So ein Esel "tickt" einfach anders als ein Pferd. Es geht vor allem darum, zu verstehen, dass eine sehr solide Basis in den Prinzipien Spielen essenziell ist, denn dann waren sogar die ersten beiden Muster: Touch-it und Figur 8 möglich und die Paare zeigten sehr eindrucksvoll, wieviel Spass sie daran hatten.
Der Kurs war speziell für Esel zugeschnitten und so ging es um die ersten 3 Spiele und die ersten beiden Muster aus dem Level 1. Wer hätte gedacht, dass mit Konsistenz, Geduld und Kreatitvität sogar ein Zirkelspiel und auch das Verladen möglich ist.
Hier gibt es eine tolle Zusammenfassung von dem Kurs und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den EselführerInnen und ihren tollen Grautieren!

































Montag, 27. Februar 2017

Eine LBE Horsenality mit schlechter Laune?

Alle, die mich kennen oder bereits Unterricht von mir hatten wissen, dass ich gerne erinnere, das Thema Horsenalities nicht dazu zu benutzen, Pferde in Schubladen zu stecken oder als Ausrede hinzu zu ziehen, wenn etwas nicht oder schwierig geht, bzw. eine Obession daraus zu machen.
Das passiert übrigens schneller als man denkt und ist mir auch schon passiert.

Ich vergesse nie einen Kurs mit Sam Caporn (4-Sterne Parelli Instruktor aus Australien) an dem ich assistierte. Es ging um eine Situation an dem die Studentin sich aufgrund des schnellen hin und her wechseln der Horsenality ihres Pferdes überfordert fühlte. Darauf hin fragte Sam die Studentin: "Verhält Dein Pferd sich partnerschaftlich?". Eine einfache Frage mit großer Wirkung, denn die Studentin verneinte die Frage und so konnte sie gemeinsam mit Sam die Situation einfacher einschätzen und Strategien finden.
Wann immer wir uns in diesem Thema Horsenalities verlieren, kann es helfen, sich diese Frage zu stellen oder auch, wenn wir nicht sicher sind, welche Horsenality mein Pferd hat oder gerade zeigt.

Das heißt nicht, dass das Erkennen von Horsenalities nicht wertvoll ist inkl. der Strategien per Horsenality. Einen Schritt Abstand zu nehmen kann jedoch helfen, zunächst auf das Fundament im Sinne von partnerschaftlichen Verhalten zu erkennen (ja oder nein) bevor wir uns die Frage der Horsenality stellen, die mind. 4 Antworten haben könnte (LBE, LBI, RBE, RBI und deren Kombinationen).

Meine kleine Superstute "Estrela" ist inzwischen eine sehr zentrierte Horsenality mit Tendenzen zu LBE. Entsprechend ihrem Niveau (Level 5) ist es wichtig, sie nicht zu langweilen und sie ist SCHNELL gelangweilt. Sie hat Tendenzen die Ohren anzulegen. Vor allem am Boden und mit mir in Zone 1.
Mir ist klar, was hier passiert ist und ich bin sicher, dass sich viele LeserInnen hier finden.
Ich habe sie am Boden gelangweilt und nur weil es ein LBE ist, heißt das nicht, dass wir wilde Spiele auspacken müssen. Das mag' bei einem unerfahrenen oder/ und temperamentvollen LBE funktionieren, bei einem erfahrenen, zentrierten LBE auf dem Niveau sind die Ansprüche an das andere Ende vom Seil schon höher!

Seit ca. 2 Wochen ist Estrela ein anderes Pferd. Natürlich habe ich meine Strategien angepaßt, es war aber immernoch nicht das Highlight und sie blieb griesgrämig. Ihre Ausdruck machte so richtig keinen Sinn und nebst den Ohren zog sie die Nüstern hoch. Sie war nie ein Pferd welches sich besonders gerne anfassen läßt, es sei denn sie ist rossig. Letztendlich deuteten die ganzen Signale allerdings weniger auf eine Horsenality Herausforderung hin als auf ein gesundheitliches Problem. Aufgrund ihrer früheren Haltung hat Estrela immer mal wieder schlechte Leberwerte, die wir dank Futterumstellung, Photonic Redlight und hömeopathischen Mitteln ganz gut in den Griff bekommen haben, aber eben noch nicht optimal obwohl vom Tierarzt gute Werte diagnostiziert wurden.

Wenn Du also bei Deinem Pferd bezüglich Horsenality in eine Sackgasse gerätst,  können Dir vielleicht die folgenden Fragen helfen:
  • Verhält sich Dein Pferd partnerschaftlich und wenn nicht, wie hilfst Du Deinem Pferd sich partnerschaftlich zu verhalten?
  • Ist Deine Strategie erfolgreich oder hast einmal eine andere (Horsenality) Strategie probiert?
  • Bist Du progressiv oder langweilst Du Dein Pferd?
  • Hast Du einen Plan und bist Du bereit davon abzuweichen um zu Deinem Plan zurückzukehren?
  • Entspricht Dein Spiel dem Niveau des Pferdes oder unter- bzw. überforderst Du es?
  • Hast Du gesundheitliche Aspekte abgeklärt?

Weitere Anpassung schienen im Fall von meiner Superstute Estrela endlich die erhofften Ergebnisse erzielen und Bilder, bzw. Filme zeigen mehr als 1000 Worte: Ein Traumausdruck aus verschiedenen Zonen.
 

Nach der Session:

Nach der Session
Nach der Session
Nach der Session
Nach der Session





 


















Jungpferdestart. Viel mehr als nur Einreiten!

Die Ausbildung junger Pferde ist einfach etwas ganz Besonderes. Pferde bis zu einem Alter von 2 Jahren lernen sehr schnell. Das sichert nicht zuletzt das Überleben, denn als Fluchttier ist es überlebenswichtig, schnell zu lernen. Das gilt ganz besonders für Fohlen und junge Pferde. 
Auch wenn wir natürlich unseren jungen Pferden nichts Böses wollen, so sind Überlebensstrategien tief verankert. 
Deshalb ist es umso wichtiger,  daß wir Menschen die Bedürfnisse der Pferde verstehen und das Lehren darauf abstimmen. Jedes (junge) Pferd hat sicher ein individuelles Lerntempo und es ist auch wichtig, darauf einzugehen. Genauso wie auf Stärken und Schwächen, die durch die verschiedenen Horsenalities (Pferdepersönlichkeiten) resultieren.
Spätestens jetzt wird klar, warum es wichtig ist, jede Horsenality zu erkennen und Strategien passend zur Horsenality zu kennen.
Junge Pferde nach Parelli Natural Horsemanship auszubilden bedeutet Level 2 On Line und Freestyle auf einem hohen Niveau. Soweit die Theorie. Was aber, wenn die Bedürfnisse eines individuellen Pferdes etwas höher sind, als bei einem "durchschnittlichen" Pferd? Dann kommt die Erfahrung ins' Spiel um solchen Pferden gerecht zu werden.

Pferde auszubilden hat sehr viel mit einem soliden Fundament zu tun (zukünftig für das Pferd und aktuell für den Menschen) und dennoch bereit zu sein, davon abzuweichen (Flexibilität) um zur Kontinuität zurückzukehren. 

Ein junges Pferde bedeutet eine große Verantwortung und in diesem Post meine ich vor allem die hohe Verantwortung im Sinne der Ausbildung. Denn so ein Start ist viel mehr als nur das Einreiten, denn die meiste Zeit verbringen wir bei unseren Pferde mehrheitlich nicht mit dem Reiten, sondern mit alltäglichen Dingen rund um das Pferd wie z.B. Hufe auskratzen, Putzen, Halftern, Anbinden, usw. Aber natürlich geht es auch um das Reiten. Dafür werden die Pferde bei einem Parelli Jungpferdestart am Boden vorbereitet, damit alle Anforderungen später im Sattel letztendlich "nur ein Ortswechsel vom Boden in den Sattel" bedeuten - oder anders gesagt, dass es für das Pferd keine Unterschied macht, aus welcher Position wir kommunizieren.

Wer also mit dem Gedanken spielt, ein junges oder unerfahrenes Pferd anzuschaffen, sollte sich über diese Verantwortung im Sinne der Ausbildung im Klaren sein und sich selbst fragen:

Will und kann ich mein Pferd selber ausbilden und habe ich dazu die Zeit, das Wissen, die Erfahrung und die Möglichkeiten, die eine solche Ausbildung mitsichbringt, damit es auch für beide Seiten eine erfolgreiche Zukunft gibt? Denn alles geht gut, solange alles gut geht.
Wenn mein Pferd vielleicht doch höhere Anforderungen an die Ausbildung stellt, als vermutet, kann ich das meinem Pferd bieten?


Vielleicht ist die Überlegung dann doch nicht so abwegig, ein erwachsenes und erfahreneres Tier zuzulegen. Ein Jungpferdestart ist eine spannende Sache und ich möchte jede Erfahrung mit jungen Pferden, die ich gemacht habe nicht missen. Es gibt so viele wunderbare "das erste Mal". Das ist sicher sehr erfüllend, dennoch läuft eben wie bei jeder Lernsituation oder Beziehung generell nicht immer alles glatt. Bin ich dafür vorbereitet und bringe nicht nur das Wissen, sondern auch die Ruhe und Geduld und nicht zuletzt die physische Fitness mit?

Ich möchte auf keinen Fall hiermit abraten, ein junges Pferd sich zuzulegen, dennoch empfehle ich, das Pferd von Anfang an in erfahrene und vertrauensvolle Hände zu legen, denn wie gesagt, junge Pferde lernen schnell; auch das, war wir nicht möchten.
Dadurch entstehen Lücken in unserem Beziehungsvertrag. Solche Lücken zu füllen oder zu löschen ist immer aufwendiger als von Anfang eine Beziehung partnerschaftlich aufzubauen; basiert auf Bindung, Respekt, Impulsion und Flexion. Und wer möchte bereits bei einer so frischen Beziehung bereits Lücken haben?

Deshalb mein Tipp: Gib Dein junges Pferd in Hände, die das WISSEN, die ERFAHRUNG und die FERTIGKEITEN haben, junge Pferde auszubilden, so dass Du und Dein Pferd eine partnerschaftliche, gemeinsame Zukunft haben und das nicht erst, wenn die ersten Zweifel oder Lücken in der Beziehung auftauchen.

Wer mehr zu diesem spannenden Thema "Jungpferdestart" wissen möchte, der ist bei unserem Infoseminar am 19.03. willkommen. Infos und Anmeldung HIER.
Denn im August findet ein Jungpferdestart gemeinsam mit David Zuend statt. Er ist 4-Sterne Parelli Instruktor und Horse Development Specialist. Er hat ein wahnsinnig gutes Händchen und feinen Draht für junge Pferde!
Mehr Infos zu Jungpferdestart im August HIER.

Dennoch hier ein kleines Video von meinem Jungpferd "Ludo". Er ist ein fast 3-jähriger Trakehner (Lauries Crusador XX - Gribaldi). Es zeigt ihn mit einem unserer erwachsenen Pferde (Laurina) beim einem weiteren ersten Mal: Ponying.



Mittwoch, 1. Februar 2017

Wenn zwei Welten zusammenkommen, die es nicht gibt - Klaudia Duif

Ich denke immer wieder an die Veranstaltung in Verden im Juli 2015 unter dem Titel "Two worlds together". Nicht nur, weil es unglaublich heiß war sondern auch, weil es eine rundum gelungene Veranstaltung war. Ich bin sicher, dass dies alle bestätigen werden, die ebenfalls da waren.
Eine Veranstaltung, die zeigen sollte, dass die klassische Welt und die Horsemanship Welt zu einer werden können. Spätestens jetzt werden sich viele fragen, wo eigentlich der Unterschied zwischen diesen beiden Welt liegt. Das geht auch mir so, denn gibt es wirklich zwei Welten oder haben wir nicht alle die gleiche Leidenschaft? Es gibt sicher Unterschiede über die Wege, wie Ziele erreicht werden und ich hoffe, dass allen klar ist, dass ich hier nicht die profane Technik meine, sondern die tiefe Überzeugung, die Beziehung zum Pferd immer an erster Stelle zu stellen. Das ist keine Aussage, die von der Horsemanship Welt "patentiert" ist, sondern im Herzen jedes Pferdeliebhabers verankert sein sollte; unabhängig von der Reitweise und ob Klassisch, Western oder Horsemanship.

Mitte Januar 2017 sollte dies und vor allem der Titel dieses Posts bei einem Lehrgang mit Christoph Hess bestätigt werden. Dazu mehr später. 

Mit meiner Lusitano Stute "Estrela" habe ich 2012 offiziell das Parelli Level 4 abgeschlossen. Das heißt, dass wir ein solides Fundament haben. Pat ermahnt vor allem uns Instruktorinnen und Instruktoren immer wieder, dass Level 4 nicht das Ende, sondern der Anfang ist. Der Anfang für eine Spezialsierung, die zum Pferd und zu uns selbst passt. Einschliesslich Level 4 ist mit allen Equiden möglich, vorrausgesetzt sie können geritten werden, was für manche Ponyrassen nur eingeschränkt möglich ist.
Estrela's und ich haben Pre-Parelli Zeiten. Das bedeutet in unserem Fall, dass wir vor Parelli Natural Horsemanship in der Doma Vaquera und auch in der klassischen Dressur aktiv waren und aktuell unsere Kenntnisse und Fähigkeiten in der klassischen Dressur erweitern. Es ist übrigens gar nicht so einfach, eine Unterstützung (in meinem Fall in der Dressur) zu finden, bei der man weiterhin den erlernten Parelli Prinzipien treu sein kann.  Bis dahin haben Estrela und ich viel von unseren "alten" Erfahrungen gezehrt und ich habe mich durch Bücher und DVD's weitergebildet.

Im Januar 2017 haben wir dann an zwei Tagen an einem Lehrgang mit Christoph Hess zum Thema "Besser reiten" teilgenommen. Mein Thema ist immer der Gymnasitzierende Wert der Dressur und dabei meine ich mentale, emotionale und physische Gymnastizierung. Für diesen Lehrgang habe ich mich vor allem für die emotionale und physische Gymnastizierung entschieden, als Christoph mich fragte, was mein Thema ist.

Thema emotionale Gymnastizierung: Estrela hat die Tendenz vor allem im Schritt über Tempo zu sein und wie jedes Pferd (und jeder Mensch) bringt sie eine Schiefe mit.
Thema physische Gymnastizierung: In ihrem Fall ist sie links hohl. Damit fällt ihr die Rechtsstellung und das aktive Untertreten mit dem rechten Hinterbein schwerer. Ich schreibe bewusst nicht Biegung!

Ich habe Estrela entsp. der sieben Parelli Spiele On Line (am Boden) und Freestyle (Reiten ohne ständigen Zügelkontakt) vorbereitet, bevor es in die Session ging. Christoph fragte mich nach meinen Herausforderungen, Zielen und noch ein paar Details zu meinem Pferd bezüglich Alter und Rasse. Danach ließ er mich Reiten und bat mich, so zu reiten, wie ich zu Hause sonst auch reite im Schritt, Trab und Galopp.

Er hatte schnell einen Plan, wie wir mein Wunschthema angehen können und bestätigte auch, dass das ein gutes Thema für mein Pferd ist. Sein Vorschlag beinhaltete 2 Konzepte.

Bevor er sich zu den Grundgangarten äußerte, fragte er mich zu meinem Empfinden bezüglich Takt und Tempo. Er stellte fest, dass Schritt und Trab taktvoll und in einem für das Pferd passende Tempo sind.  Der Galopp allerdings unter dem für das Pferd passende Tempo waren und eher verkürzt war und tendenziell ein Viertakt, was ein Arbeitsgalopp als Dreitakt natürlich nicht sein sollte. Das war eine Überraschung für mich und so bat er mich auf einem großen Zirkel mit Impulsen durch mein Bein das Pferd mit einer leichten Anlehnung (Parelli: Soft Feel) vorwärts aber nicht schneller zu fragen. Dieses Tempo war Estrela und mir nicht unbekannt, allerdings kennen wir es mehr auf einer Geraden vor allem im Gelände. Estrela setzt ohne Zögern die Aufgabe um und als extrovertiertes Pferd gefiel es ihr sehr gut. Wie auch sonst dehnte sie sich und schnaubte viel ab.
Christoph erläuterte den Wert dieser Übung im Sinne einer physischen Gymnastizierung und Estrela zeigte als positiven Nebeneffekt auch den emotionalen Wert dieser Übung: Ohne daran zu "arbeiten" bekam ich von ihr ein tolles Goodie: Sie suchte förmlich den Kontakt ohne sich auf das Gebiss zu legen und ihr Maul war entspannt und ruhig. Als Folge kam sie nicht hinter der Senkrechten, was manchmal auch ein Thema ist. Diese Lektion schenkte mir ganz beiläufig ein Pferd, welches ohne Einschränkung emotional fit ist. 

Christoph war begeistert von Estrela und lobte ihre Einstellung und erläuterte, dass u.a. eine solche Einstellung wichtig für erfolgreiche Sportpferde ist (Parelli: Herzblut).

Das Thema der emotionalen Gymnastizierung war etwas komplexer. Er erläuterte zunächst,  warum es ihn wichtig ist, Übergänge mit so wenig Zügelhilfen wie möglich zu reiten und erklärte die Wichtigkeit vom Bein. Auch bei Übergängen in eine langsamere Gangart. Nebst der eigenen Körperenergie vermittelte er durch das Bein eine weitere natürliche Hilfe, um mein Pferd in einen Übergang in eine langsamere Gangart zu reiten. Ich war begeistert, denn das ist auch das, was wir bei Parelli Natural Horsemanship lernen -egal ob am Boden oder im Sattel-: Unsere natürlichen Hilfen (Energie, Bein, Sitz) zu nutzen BEVOR wir künstliche Hilfen (Stick, Seil, Zügel) gebrauchen. 

Die Aufgabe war, Estrela in einem leichten Schulterherein zu fragen und dieses Schulterherein bei Übergängen in eine langsamere Gangart gering zu verstärken (Parelli: Das Schulterherein ist eine verfeinerte Variante des indirekten Zügels inkl. all seiner Phasen). Dabei bat er mich, mein Bein korrekt zu positionieren und auch den Druck in den jeweiligen Steigbügel differenziert zu nutzen, wenn es um Übergänge und um das Schulterherein ging.

Christoph erläuterte, dass er sehr gerne mit Linda Parelli und Parelli StudentInnen arbeitet, da ihnen das Konzept geläufig ist, weg von der Hand zu reiten. Ein Verständnis, was er sich für Nicht-Parelli Reiter mehr wünschen würde. Auf der anderen Seite stellt er bei Parelli StudentInnen in seinen Unterrichten oft fest, dass diese das Bein zu wenig differenziert einsetzen. Etwas, was auch ich in diesem Lehrgang lernen sollte. Mir vielen direkt die Worte von Pat bei einem Kurs in Belgien ein, bei dem er verschiedene Bein Postionen und ihre Wirkung in den verschiedenen Bereichen erläuterte.

Diese beiden Konzepte fügten wir am Ende der jeweiligen Lektion zusammen (Parelli: isolate, seperate and recombine) und ritten viele Übergänge. Dabei hatten wir alle Zeit der Welt, vor allem Übergänge im Schulterherein in eine langsamere Gangart zu reiten (Parelli: "Nehme die Zeit, die es braucht, so dass es letztendlich weniger Zeit braucht").

Es ging nicht darum, dass diese in diesem Stadium punktgenau ist, sondern dass Estrela und ich einig über das Ergebnis der Beinposition waren (Parelli: Prinzip Nr. 3 - "Kommunikation bedeutet, dass zwei oder mehr Individuen eine Ideee teilen und verstehen"). Dies etablierten wir durch Wiederholungen (Parelli: Muster) zunächst auf der für Estrela einfacheren linken Seite, bevor es an die für Estrela schwierigere rechte Seite ging (Parelli: "Dem Pferd ist es egal, wieviel du weisst; bis es weiß, dass es (das Pferd) dir nicht egal ist". Natürlich haben wir die Anregungen von Christoph zu Hause weiterverfolgt und ich kann sagen, dass das postive Ergebnis wiederholbar ist und wir beginnen, präziser mit unseren Übergängen werden.

Der Lehrgang mit Christoph Hess war genau das, was ich mir erhofft hatte und spätestens jetzt macht die Überschrift des Posts Sinn, denn es gibt keine zwei Welten, sondern wie Pat es sagt nur zwei Arten von Menschen: Solche, die Pferde lieben und solche, die sie nicht lieben! 

Reeles Reiten und partnerschaftlicher Umgang mit Pferden kann nicht getrennt werden, sondern macht einen echten Pferdemenschen (Horseman) aus!